Geschichten über den Burrunjor
Bereits Jahrhunderte bevor sie Zugang zu europäischen Lehrbuchabbildungen von Dinosauriern hatten, war in den Überlieferungen der Stämme aus der präeuropäischen Zeit Australiens von saurierähnlichen Reptilien die Rede.
Aborigines aus dem Arnhemland glauben, dass in einem ausgedehnten Gebiet namens Burrunjor furchterregende, alptraumhafte, mammutgroße Reptilienmonster hausen. Diese heißen ebenfalls Burrunjor, und der Beschreibung nach sollen sie dem Tyrannosaurus Rexähneln.
Jahrtausendealte Höhlenmalereien in dieser Gegend zeigen Darstellungen dieser monströsen Tiere. Viele der im Arnhemland ansässigen Ureinwohner glauben, dass diese Monster bis zum heutigen Tag zwischen dem Gulf Country und Cape York hin und her wandern.
Was auch immer Außenseiter von solchen Geschichten halten mögen, die Einheimischen – und zwar sowohl die australischen Ureinwohner als auch die wenigen versprengten europäischen Siedler – nehmen sie ernst.
Der Buschmann Allan Ritchie, der in den 1970er-Jahren Jagdsafaris mit Steinwaffen leitete und dabei in ziemlich entlegene Teile des äußersten Nordens gelangte, ist überzeugt, dass es eine saurierähnliche Reptilienart gibt, die in den Dschungeln und der Buschlandschaft des Northern Territory haust. 1982 erzählte er mir Folgendes:
„Ich stellte fest, dass die Aborigines entsetzliche Angst vor diesen Tieren haben. Einige Stammesmitglieder zeigten mir alte Felsenmalereien, auf denen diese Monster, die sogenannten Burrunjor, abgebildet waren. Sie beschreiben die Burrunjor als Reptilien, die dem Tyrannosaurus Rex ähneln. Es gibt im Arnhemland eine Dschungelregion, in die kein Pferd freiwillig einen Fuß setzen würde – das gilt auch für die meisten Aborigines. Tag und Nacht sind furchterregende Geräusche zu hören und dazu das Knacken der Blätter im Dschungel, wenn diese Monster sich bewegen. Einige Aborigines und Europäer haben riesengroße Fußspuren auf dem Boden entdeckt, mehr als genug, um die meisten Menschen aus dieser Region fernzuhalten.“
In der küstennahen Region zwischen dem Northern Territory und Queensland liegt westlich von Burketown ein weiteres Gebiet, in das kein Ureinwohner, kein Pferd und kein Treibhund je einen Fuß setzen würde, ähnlich wie das im Arnhemland der Fall ist. Denn auch hier sollen sich die Burrunjor herumtreiben.
In den 1950er-Jahren verloren Viehzüchter Teile ihrer Herden an mysteriöse Bestien, die auf ihrem Weg durch das ausgedehnte Gebiet zwischen dem Border Country und Burketown verstümmelte, halb aufgefressene Überreste von Kühen und Bullen zurückließen. Berittene Suchtrupps fanden riesige reptilische Fußabdrücke von irgendeinem wilden Tier, das sich auf zwei Beinen fortbewegte. Sie folgten den Spuren zusammen mit ihren Treibhunden und schlugen sich durch eine raue Dschungellandschaft, bis sie in ein Sumpfgelände gerieten, hinter dem sich dichtes Gebüsch erstreckte.
Dort wurden die Treibhunde ganz aufgeregt und rannten davon. Auch die Pferde wurden nervös und wollten den Sumpf offenbar nicht überqueren. Die meisten Viehzüchter waren der Ansicht, dass ihre Tiere es am besten wissen mussten, doch zwei der Männer, bewaffnet mit Karabinern, setzten den Weg zu Fuß fort.
Es wird erzählt, dass die Männer in einem offenen Gelände jenseits des Sumpfes bald weitere Spuren fanden. Während einer der Männer herumsuchte, erblickte sein Kamerad im dichten Wald kurz die dunkle Gestalt einer riesigen Kreatur, die gut neun Meter groß war. Beide Männer traten rasch den Rückzug an.
Johnny Mathews, ein einheimischer Fährtenleser, behauptet, eines Tages im Jahr 1961 ein über sieben Meter großes reptilisches Monster auf zwei Beinen gesehen zu haben, das sich in der Nähe des Lagoon Creek an der Golfküste durch das Buschwerk bewegte. „Kaum jemand außerhalb meines Stammes glaubt meine Geschichte, aber ich weiß, was ich gesehen habe“, berichtete er mir 1970.
Im Juni 1999 fanden Ureinwohner, die im Northern Territory wilde Eber jagten, südwestlich von Alice Springs im sandigen Boden die Fußabdrücke eines riesigen zweibeinigen Reptiloiden.
Ähnliche riesengroße Klauenabdrücke – etwa zwei Dutzend Abdrücke von Füßen mit je drei Klauen – wurden in einem ausgetrockneten Bachbett nördlich des Mount Isa in Queensland gefunden.
Einige Bewohner des Bezirks Normanton am Golf von Carpentaria in Queensland glauben, dass die Burrunjor tief in den von dort aus nordöstlich gelegenen Bergen leben und gelegentliche Raubzüge ins offenere Land unternehmen, um sich Vieh zu holen. Wie sie sagen, streifen diese Kreaturen des Nachts herum. Schon so manche Camper konnten den hämmernden Klang ihrer mächtigen Schritte hören.
Eines Tages im Mai 1980 folgte der Dingo-Jäger Max Field im Bezirk Kanuma in der Nähe des Walker River, etwa auf halben Weg zwischen Karumba an der Golfküste und Normanton, einigen frischen Spuren durch das Buschwerk, als er eine Reihe von Abdrücken von undeutlichen, riesengroßen Füßen mit je drei Klauen eines sich auf zwei Beinen fortbewegenden Tieres im Gras entdeckte, die zunächst über festen Boden, dann über ein trockenes, sandiges Bachbett und schließlich bis ins dichte Buschland führten. Max vergaß den Dingo und machte sich auf die Suche nach weiteren solchen Fußabdrücken.
Kommentar schreiben