Die Niederlage des Siegers: Der Hamas-Angriff – Hintergründe und Folgen
Jacques Baud
Westend Verlag
483 Seiten
ISBN: 978-3-86489-468-8
€ 32,–
Die Palästinenser haben einen schweren Stand. Gebeutelt von der jahrzehntelangen israelischen Besatzung, führte der jüngste Vergeltungskrieg im Gazastreifen zum Tod von über 40.000 palästinensischen Zivilisten und der nahezu vollständigen Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wurde durch die israelische Regierung unter Netanjahu ungestraft das Völkerrecht gebrochen. Während Kanzler-Aspirant Merz Netanjahu trotz internationalen Haftbefehls als Staatsgast hofieren möchte, will US-Präsident Trump die Palästinenser vollständig aus dem Gazastreifen vertreiben, um eine „Riviera“ des Nahen Ostens zu verwirklichen.
Das vorliegende Buch des Schweizers Jacques Baud ist eine Parteinahme für den Freiheitskampf der Palästinenser. In der heutigen Zeit definitiv ein sehr mutiges Werk.
Der Autor erinnert daran, dass der Gazakrieg nicht 2023, sondern bereits 1947 begonnen hatte. Hierzulande erschweren deutsche Schuldkomplexe eine vorurteilsfreie Beurteilung des Palästinakonfliktes: Massenmedien und etablierte Parteien sind in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten auf Pro-Israel-Kurs. Die neue Rechte mit der AfD als parlamentarischer Vertretung ergreift ebenfalls Partei für Israel. Allenfalls in der anti-imperialistischen Alt-Linken gibt es noch eine relevante Solidarisierung mit Palästina. Doch nicht nur für Leser aus diesem Spektrum dürfte Bauds Buch aufschlussreich sein.
Der Sicherheitsexperte beleuchtet zunächst die geschichtliche Entwicklung: beginnend mit dem historischen Kontext der zionistischen Landnahme und der Vertreibung der Palästinenser infolge der israelischen Staatsgründung 1948 über die UN-Resolutionen für die Zwei-Staaten-Lösung bis hin zur völkerrechtswidrigen Besetzung des Westjordanlands 1967 und der Zerstückelung des palästinensischen Siedlungsgebietes durch radikale jüdische Siedler in unserer Gegenwart. Ein Kernkapitel des Buchs bildet die Darstellung der Operation Al-Aqsa-Flut vom 7. Oktober 2023 und die Widerlegung mehrerer Medienlügen im Kontext der besonderen Lage des Gaza-Streifens sowie des ideologischen Hintergrunds der dort regierenden Hamas.
Angesichts der islamistischen Agenda der Hamas und der enthemmten Gewalt gegen unschuldige israelische Zivilisten dürfte den meisten westlichen Zeitgenossen das Verständnis für die palästinensische Operation fehlen. Ob sich die Palästinenser mit dem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 wirklich einen Gefallen getan haben und ob „die Überwindung der eigenen Angst und des eigenen Gefühls der Machtlosigkeit“ gar bereits einen „Sieg“ darstellt, darf wohl bezweifelt werden. Betrachtet man die Ergebnisse der israelischen Operation „Eiserne Schwerter“, könnte man eigentlich annehmen, dass der palästinensische Widerstand in eine Falle gelockt wurde. Denn neben der Schwächung der Hamas wurden die militanten Unterstützer des palästinensischen Befreiungskampfes im Libanon, im Iran und dem Jemen durch gezielte Enthauptungsschläge des israelischen Geheimdienstes paralysiert. Mit dem Sturz der Assad-Regierung in Syrien verliert der Iran zudem die Möglichkeit, anti-israelische Milizen in der Region weiter mit Waffen zu versorgen.
Gleichwohl ist das Ansehen Israels weltweit ramponiert und Netanjahu als Kriegsverbrecher durch den Internationalen Strafgerichtshof angezählt worden. Da sich die Konflikte im Nahen Osten zuspitzen und die Bundeswehr bereits in Israel aktiv geworden ist, bleibt zu befürchten, dass ausgerechnet die deutschnationale Fraktion im Bundestag neben den grünen Kosmopoliten unreflektiert eine militärische Einmischung im Nahen Osten unterstützen wird. Eine mögliche große Koalition könnte so einem erweiterten Einsatz in der Levante zustimmen, ohne dessen langfristige Folgen ausreichend zu hinterfragen.
sb
Das Geheimnis der Megalithkulturen: Stonehenge, Menhire, Großsteingräber
Wolfgang Korn
Anaconda Verlag
255 Seiten
ISBN: 978-3-7306-1367-2
€ 9,95
Prähistoriker können nicht auf schriftliche Zeugnisse zurückgreifen, um ihre Funde zu interpretieren – sie sind genötigt, Erklärungen zu finden, die auf der Basis heutigen Wissens und heutiger Vorstellungen basieren oder auf Vergleichen mit ethnografischen Berichten fußen. Das ist bei den beinahe weltweit verbreiteten Großsteinanlagen, Steinsetzungen und künstlichen Hügeln, die sich regional auch noch erheblich unterscheiden, kein einfaches Unterfangen.
Wolfgang Korn gibt dem Leser einen guten Überblick des aktuellen Forschungsstands. Wer eine spannende Geschichte mit einer klärenden Lösung erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht; wer sich dagegen dafür interessiert, wie diese Bauwerke in der Archäologie diskutiert werden, hat guten und soliden Lesestoff zur Hand.
Eine Kategorisierung der verschiedenen Anlagentypen ist seit Jahrzehnten Anlass für intensive Diskussionen unter Archäologen und bisher weit von einem Konsens entfernt – zu unterschiedlich sind die regionalen Ausprägungen. Korn erläutert die verschiedenen Erklärungsansätze für ihren Bau: Während manche Forscher sie als astronomische Orientierungshilfen für den Ackerbau deuten, sehen andere darin Sakralstätten eines Ahnenkults oder Festen, die territoriale Ansprüche markieren. Auch „Überinterpretationen“, etwa kultische Erklärungen und Verbindungen zu einem Matriarchat, hinterfragt der Autor kritisch. Heiterkeit hat bei mir die Berechnung der Arbeitsstunden für den Bau von Stonehenge oder großen, massigen Hügelgräbern ausgelöst. Korn setzt einen zehnstündigen Arbeitstag an und denkt darüber nach, wie und womit die Erbauer verpflegt wurden – wie Fachleute auf diese Annahmen gekommen sind, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.
Dennoch fand ich das Buch sehr spannend – nicht zuletzt, weil der Autor auch wenig bekannte Fakten streut: etwa, dass bis heute in einigen abgelegenen Gebieten dieser Welt große Grabhügel und Steinsetzungen errichtet oder dass die Nuraghen auf Sardinien als Festungen gedeutet werden. Mir wurde beim Lesen auch klar, dass wir uns kaum darüber bewusst sind, wie Piraterie, Raub und Sklavenhandel gerade im Mittelmeer-, aber auch im Ostseeraum Kulturen mitgeformt haben. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Megalithanlagen fast immer in Wassernähe zu finden sind.
Wer sich zu diesem Themenkomplex aus Sicht der akademischen Archäologie informieren möchte und zumindest zeitweise auf Aliens, Fabelwesen und verloren gegangene Hochtechnologie verzichten kann, dem sei dieses Buch empfohlen.
cv
Rockefeller: Das Spiel kontrollieren
Jacob Nordangard
Kopp Verlag
527 Seiten
ISBN: 978-3-98992-040-8
€ 29,00
In der Alltagssprache hat der immense Reichtum der amerikanischen Rockerfeller-Familie eine sprichwörtliche Bedeutung erlangt. Der Einfluss, den die Kapitalkonzentration der Oligarchensippe auf Wirtschaft, Politik und Medien mit sich bringt, wurde schon öfter aufgegriffen. Weniger bekannt dürfte vielen Lesern im deutschsprachigen Raum der strategische Einfluss der Petrodollar-Dynastie auf die grüne Klimabewegung sein. In seiner frisch übersetzten Veröffentlichung klärt der schwedische Geograf und Sozialwissenschaftler Dr. Jacob Nordangard umfassend über die Ziele, Methoden und Netzwerke der Rockefeller-Familie sowie die originären Hintergründe der Umwelt- und Klimabewegung auf.
Dabei offenbart Nordangard, der vor einigen Jahren noch Parteimitglied der schwedischen Grünen gewesen ist, dass das Umweltthema ursprünglich ein Lieblingsprojekt der angloamerikanischen Finanzelite war, um ihr langfristiges Ziel zu kaschieren: die drastische Reduktion der Weltbevölkerung. Beginnend mit der Familiengeschichte der Rockefellers und ihrem Geschäftsgebaren im 19. Jahrhundert, führt der Autor seine Leserschaft durch das Dickicht der Familienstiftungen, Finanzinstitute, Denkfabriken und politischen Seilschaften des milliardenschweren Rockefeller-Clans. Akribisch belegt er alle Behauptungen mit über 630 Endnoten.
Schon sehr früh konnte die Öl- und Finanzfamilie die Kohlendioxid-Theorie zur Erderwärmung auf internationaler Ebene auf die politische Agenda setzen, um das Fernziel der „One World“ zu verwirklichen. Bereits 1964 hielt US-Präsident Johnson die erste Rede, in der von einer Klimakrise gesprochen wurde – kurz nachdem die Rockerfeller-Stiftungen mehrere Umweltschutzorganisationen und Forschungseinrichtungen wie das Aspen-Institut aufgebaut hatten. Durch die Zusammenarbeit mit der UN, der die Rockefellers 1945 das Grundstück für ihren Hauptsitz in New York spendeten, und den EU-Vorgängern konnte der elitäre Club of Rome eine Umweltbewegung in Westeuropa implementieren, nachdem die Ölkrise von 1973 für einen globalen Schockmoment ausgenutzt wurde.
Der Autor erinnert daran, dass die Klimaagenda nicht nur von Parteivertretern aus dem linken, sondern auch aus dem rechtskonservativen Spektrum propagiert wurde, und führt dabei die als „eiserne Lady“ berüchtigte britische Premierministerin Margaret Thatcher oder den militaristischen US-Präsidenten George H. W. Bush an. Der Verfasser erläutert das Einwirken der Rockefeller-Organisationen auf die Umwelt- und Klimabewegung vom ersten „Earth Day“ im März 1970 und von der richtungsweisenden „Stockholmer Erklärung“ der UN vom Juni 1972 über die UN-Konferenz von Rio im Juni 1992 bis hin zu den Klimazielen von Paris im Dezember 2015. Aufschlussreich ist die Offenlegung der weitverzweigten Netzwerke, der scheinbar gegensätzlichen Allianzen mit der kommunistischen Volksrepublik China und linken Aktionsgruppen sowie der Beeinflussung der breiten Masse durch Zukunftsfilme, pseudospirituelle Bewegungen und religiöse Autoritäten.
In seinen beiden letzten Kapiteln widmet sich der Autor den technisch-sozialen Kontrollmechanismen der Vierten Industriellen Revolution und den kruden transhumanistischen Utopien der Globalisten, die auf den „Great Reset“ folgen sollen.
Auch wenn Nordangard Tatsache an Tatsache reiht und einen unaufgeregten, sachlichen Stil pflegt, verhehlt der Universitätsdozent nicht seine Ablehnung der inhumanen Rockefeller-Agenda. Vielleicht hätte man sich von einem schwedischen Autoren etwas mehr Aufklärung über die vermeintliche Klima-Ikone Greta Thunberg gewünscht, die in dem Buch nur am Rande kurz erwähnt wird. Wirklich erschreckend an dem Buch ist jedoch vor allem der Umstand, dass alle Fakten und Verbindungen in öffentlich zugänglichen Quellen recherchiert wurden und damit eigentlich längst „bekannt“ sein müssten. Wie so oft tritt das Offensichtliche nicht unmittelbar ins kollektive Bewusstsein. Zukünftig wird sich zeigen, ob Blutslinien wie die Rockefellers das Spiel um die globale Herrschaft ungestört kontrollieren können oder eine kritische Gegenöffentlichkeit ihre langfristigen Pläne durchkreuzt.
Rockefeller-Medizinmänner: Medizin und Kapitalismus in Amerika
E. Richard Brown
Kopp Verlag
368 Seiten
ISBN: 978-3-98992-018-7
€ 20,00
Jaja, wir wissen doch alle, dass der Kapitalismus böse ist. Und dass die moderne Medizin und die Pharmaindustrie verbrecherisch agieren und es ihnen nur ums Geld geht. Und dass Naturheilmittel und alternative Behandlungsmethoden unterdrückt werden. Stimmt schon.
Aber andererseits: Die Welt leidet ja vor allem darunter, dass es auf allen Kontinenten immer mehr Menschen gibt, die nicht schon in der Kindheit sterben, sondern im Gegenteil immer länger leben und während dieses Lebens nicht an entstellenden und zehrenden Krankheiten zugrunde gehen. Blicken wir auf die bekannte Menschheitsgeschichte zurück, so sehen wir, dass es nicht viele Gesellschaften gab, die allein auf Naturmedizin gesetzt haben, um zu prosperieren. Insofern: Danke, Kapitalismus, dass ich so lange leben darf.
Die Kapitalismus- und Medizinkritik in „Rockefeller-Medizinmänner“ ist etwas angestaubt, was kaum wundert, denn das Buch ist stolze 43 Jahre alt. Sein Verfasser E. Richard Brown, ein Professor und ehemaliger Präsident der American Health Association, verstarb im Jahr 2012. Er war Big-Pharma-Gegner und Kritiker des gewinnorientierten Medizinsystems, und sein Werk liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Gerade bei einem Buch, in dem es um die Machenschaften von Big Business und Pharmaindustrie geht – einen Bereich, in dem sich in den letzten paar Jahren so viel getan hat –, sind mehr als 40 Jahre schon ein sehr langer Zeitraum, auch wenn „Rockefeller-Medizinmänner“ auf die Ursprünge einer laut Brown sehr bedenklichen Entwicklung zurückblicken will.
Der Autor bekennt gleich in der Einführung zu seinem Buch, dass er es mit Marx hält: „Technologie und Wirtschaftsordnung formen sich in einem dialektischen Prozess fortwährend gegenseitig.“ Die Personen und Gruppen, die die Ressourcen kontrollieren, sind laut Brown (und Marx) stets nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert; dass sich das Leben vieler eindeutig verbessert hat, ist also nur eine Finte der Kapitalisten. Brown beschreibt in der Folge die vom amerikanischen Großkapital angestoßene Entwicklung der Philanthropie: Milliardäre investierten in Hochschulen, Forschungsinstitute, öffentliche Büchereien, Krankenhäuser usw. – aber natürlich nur, um mit einer gebildeteren, gesünderen Bevölkerung mehr verdienen zu können. Der Autor erläutert, wie es dadurch zur Entwicklung des profitorientierten Gesundheitswesens, der rein allopathischen Medizin und des vom Konzernkapitalismus gesteuerten medizinisch-industriellen Komplexes kam.
Das ist gut erklärt und auch durch zahlreiche Belege unterfüttert, greift aber – wie alles, was sich ausschließlich auf marxistische Dialektik verlässt – in mancher Hinsicht zu kurz, weil eben alle Mängel der modernen Medizin und Pharmazeutik auf eine einzige Ursache reduziert werden sollen. Und das funktioniert nicht, gerade angesichts der langen Zeit, die seit dem ursprünglichen Erscheinen von „Rockefeller-Medizinmänner“ verstrichen ist. Zum Beispiel befinden wir uns (wenn wir schon bei Marx bleiben wollen) heute nicht mehr in der Ära des Konzern-, sondern in der des Monopolkapitalismus. Als Erklärungsansatz kann das vorliegende Werk daher noch dienen; moderne Lösungen bietet das Altwerk freilich nicht – auch wenn es historisch und argumentativ mit einigem aufwartet.
ph
1989: Mauerfall Berlin: Von Anfang und Ende der Globalisierung
Michael Wolski
359 Seiten
ISBN: 978-3-9823358-2-7
€ 15,–
Die deutsche Wiedervereinigung war nicht das Resultat einer friedlichen Revolution durch die Massenproteste der DDR-Bevölkerung im Herbst 1989. Sie war vielmehr Teil eines Plans der Sowjetführung, der vorsah, durch Auflösung des Warschauer Paktes und Aufspaltung der UdSSR in mehrere souveräne Nationalstaaten das sozialistische Experiment zu beenden und eine Phase der Modernisierung einzuleiten, um zu gegebener Zeit erneut zur imperialen Größe aufzusteigen.
Diese steile These vertritt der Autor Michael Wolski – sowohl mit Verve als auch mit einer stringenten und nachvollziehbaren Argumentation. Durch unkonventionelle Perspektiven bündelt er in diesem Taschenbuch neue Einsichten in historische Abläufe – und beleuchtet den Mauerfall gleich aus fünf Retrospektiven:
- aus der Sicht der offiziellen Geschichtsdeutung der Bundeszentrale für politische Bildung,
- aus der Perspektive ehemaliger Ostblock-Militärgeheimdienstoffiziere,
- aus dem persönlichen Erleben des Verfassers als Ost-West-Händler während des Kalten Krieges,
- aus der Perspektive der vereinigten Ur-Logen der Freimaurer von 1981 sowie
- nach den Strategemen des altchinesischen Militärberaters Sunzi.
Schon das erste Kapitel bringt die Synapsen zum Vibrieren. Das beginnt mit der Bilanz der Perestroika, in deren Rahmen sich eine kleine Schicht von Oligarchen das Staatsvermögen unter die Nägel reißen konnte. Bei den Verteilungskämpfen kamen in den 1990er-Jahren über 30.000 Menschen ums Leben. Nach geschichtlichen Ausflügen zu diversen gescheiterten sozialistischen Experimenten – etwa dem Jesuitenstaat in Paraguay im 17./18. Jahrhundert, der maoistischen Kulturrevolution in China sowie dem Terrorregime der Roten Khmer in Kambodscha in den 1970er-Jahren – widmet sich der Autor in Kapitel vier detailliert der kommunistischen Langzeitstrategie zur Schaffung einer sozialistischen Weltregierung durch die Unterwanderung des Westens. Wolskis Mitautorin Bärbel Falk hinterfragt dabei im Besonderen den Einfluss von geheimen Hintergrundmächten und Denkfabriken.
Ergänzend beleuchtet Wolski spirituelle Aspekte des Systemtransfers: Er diskutiert mit dem Klangtherapeuten G. T. Maier mögliche Auswirkungen der Kammerton-Änderung (432 Hz -> 440 Hz) auf gesellschaftliche Stimmungen. Zudem verknüpft er den Umbruch in Osteuropa mit Maya-Prophezeiungen, die eine Transformationsphase von 1987 bis 2037 vorhersagen. Diese These untermauert er durch Parallelen zu vedischen Schriften und vergleicht sie mit den Endzeiterwartungen in Christentum, Judentum und Islam.
Ein Höhepunkt des Buchs ist das freigeistige Interview mit Henry Schneider über den komplexen Zusammenhang von Mauerfall, Ukrainekrieg und religiösen Prophezeiungen. Schneider deutet das scheinbar ergebnislose Ringen der Kriegsparteien in der Ostukraine als Kalkül einer einflussreichen religiösen Minderheit.
Spätestens im Schlusskapitel über das Ende der Globalisierung wird der Leser um eine eigene Positionierung ringen müssen, wenn Wolski düstere Zukunftsszenarien in den Raum stellt – etwa das Aufkommen eines zerstörerischen Messias, die Abschaffung des Privateigentums im digitalen Sozialismus oder gar eine globale Katastrophe. Umso positiver fällt sein Schlussappell aus, die eigene Schöpferkraft mit Liebe handelnd zu entfalten.
sb
Der deutsche Freiheitskampf: Die Rückkehr zur natürlichen Ordnung
Hajo von Schmidt
Amadeus Verlag
219 Seiten
ISBN: 978-3-98562-030-2
€ 21,–
Ein Titel wie dieser weckt Neugierde – umso mehr, wenn der Autor unter Pseudonym schreibt, sich als Angehöriger der „Dritten Macht“ präsentiert und dem Leser seine Sicht auf die deutsche Geschichte eröffnen will.
Hajo von Schmidt geht dafür in die Adlerperspektive und lenkt den Blick des Lesers unter anderem auf die Spuren des Deutschritterordens und seine Verbindung zu Preußen, auf die Napoleonischen Befreiungskriege und den Wiener Kongress sowie den Aufstieg Deutschlands zu einer maßgebenden Kultur- und später auch Industrienation. Das ist spannend, erhellend und manchmal verblüffend. Bei so einem Adlerflug auf nur etwas über 200 Seiten bleibt für Details jedoch nur wenig Raum.
Zwei Punkte, die sich auf „die Rückkehr zur natürlichen Ordnung“ beziehen, arbeitet von Schmidt dabei heraus:
- Freiheit ist naturgegeben und Herrscher sollten unter den Besten gewählt werden, wie schon die Kurfürsten den König kürten.
- Wenn ein Mensch „seinen Platz“ in der Gesellschaft findet und einnimmt, ist es „natürlich“.
In der westlichen Zivilisation, die mittlerweile ihren Irrsinn nur noch mit Mühe verdecken kann und von offensichtlichen Clowns dirigiert wird, wächst in vielen Menschen ein tiefes Bedürfnis nach Alternativen, die mit den Schöpfungsprinzipien im Einklang stehen, und das ist ein sicheres Zeichen geistiger Gesundheit.
Von Schmidts Fokus liegt für die letzten 300 Jahre vor allem auf dem Geldsystem, das heute als göttlich angebetet wird, obwohl es schon lange am Tropf hängt und mit Sicherheit sterben wird. Vorher wird sich nichts grundlegend ändern. Aber dieser Tag rückt näher und er wurde und wird vorbereitet – von Akteuren, die ich nicht vermutet hätte. Im täglichen Nachrichtenstrom tauchen immer wieder Meldungen auf, bei denen zumindest in meinem Kopf ein Fragezeichen rot aufblinkt: Was? Wer? Wo? Vor allem aber: Warum? Meinen die das ernst? Mit der vom Autor gelieferten Brille wird da manches verständlicher. Aus seinem Wissen heraus ist die Lage für Deutschland alles andere als hoffnungslos, denn die Strukturen für den Neuaufbau nach dem Ende der BRD sind seinen Aussagen nach lange vorbereitet und sofort einsatzbereit.
Wem Deutschland in irgendeiner Form am Herzen liegt, wer Aufmunterung und Zuversicht braucht oder gar abwägt auszuwandern, der findet hier Resonanz. Ob Hajo von Schmidt zur „Dritten Macht“ gehört, ob es sie überhaupt gibt, kann ich nicht beurteilen. Warten wir am besten sein neues Buch ab, das im April erscheinen soll.
cv
Außerirdische Besucher im alten Ägypten
Die wahre Geschichte, die niemand zu erzählen wagt
Frank Fabian
Eigenverlag
279 Seiten
ISBN-13: 979-830508620-1
€ 7,38
Wer hat die altägyptischen Pyramiden erbaut? Zigtausende Sklaven, die tonnenschwere Steine über Holzrollen und Rampen durch den Wüstensand transportierten? Oder gab es möglicherweise eine geheime, vorzeitliche Hochtechnologie? Waren die Ägypter in der Technik weiter fortgeschritten als der moderne Mensch, obwohl wir uns als technologisch hoch entwickelt betrachten?
Wer die gängigen Erklärungen schon immer seltsam fand, ist mit diesem Buch gut beraten. Sein Autor beleuchtet die grundlegenden Fragen aus einem völlig anderen Blickwinkel und untermauert seine Gedankengänge mit Fakten, die den Leser schrittweise an die spektakulärste Theorie zur Entstehung der Pyramiden heranführen: Waren die Götter womöglich Außerirdische? Und falls ja: Was führte sie hierher, und warum ließen sie sich als Götter verehren? Weshalb hat ihr Kult bis in die heutige Zeit überlebt? Und warum spielten die Sterne, insbesondere Sirius und das Orionsystem, im alten Ägypten eine so zentrale Rolle?
Der Autor nimmt den Leser mit auf eine faszinierende Reise durch das alte Ägypten, seine Geheimnisse und seine Verbindungen zur Parahistorie – ein Forschungsansatz, der versucht, historische Ereignisse mithilfe paranormaler Phänomene zu erklären. Die Übereinstimmungen, die sich dabei in verschiedenen geschichtlichen Epochen zeigen, sind erstaunlich.
Wie die goldene Spitze der einst in Marmorweiß strahlenden Pyramiden, gipfelt das Buch in einer Erkenntnis, die viele als zu abstrakt, zu gewagt oder schlicht abwegig abtun könnten. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Hier verbirgt sich ein Schlüssel, der nicht nur die altägyptischen Mysterien, sondern auch das Verständnis des Menschseins selbst erschließen könnte. Die Rede ist von der Reinkarnation – einem Konzept, das die Grenzen von Mainstreamarchäologie und Psychologie sprengt und tief in die Weisheitslehren Ägyptens eintaucht.
ms
Notizen aus meinem Leben
Erich von Däniken, Ramon Zürcher
Kopp Verlag
285 Seiten
ISBN: 978-3-98992058-3
€ 23,–
Er kann es nicht lassen: Obwohl EvD dieses Jahr die 90 Lenze vollmacht, hat der Schweizer sein 49. Buch vorgelegt. Es richtet sich an seine treuesten Fans, denen der Forscher einen Einblick in seine Welt gewährt.
Dänikens tagebuchartige Notizen kreisen um seine Tour-Erfahrungen und spontanen Einfälle. Das Buch startet mit einer „unheimlichen Begegnung“ im Oktober 1989 in Bremen, dann folgen Anekdoten aus den Zeiträumen September 2009 bis Dezember 2012, Januar und Februar 2018 sowie Februar 2020 bis November 2023.
EvD wettert über Gesellschaft, Politik, Klima, Krieg und Frieden und lockert seine Ausführungen mit humoristischen Sentenzen auf. Der einzige klassische Däniken-Beitrag ist die rund 50 Seiten starke Abhandlung „Die tote Vergangenheit“ zum Untergang alter Hochkulturen und deren Beeinflussung durch Außerirdische. Mit detektivischem Gespür analysiert der Autor Artefakte aus Südamerika und Zentralasien sowie die Aussagen griechischer Philosophen und indischer Mythen.
Doch das Buch ist keineswegs nur ein schmucker Abschiedsgruß an die weltweite Leserschaft: Der Altmeister fördert auch den Nachwuchs. So erhält sein langjähriger Assistent und Wegbegleiter Ramon Zürcher auf knapp 100 Seiten die Gelegenheit, seine persönlichen Erfahrungen mit Däniken nebst eigener Forschungsergebnisse vorzustellen.
Von den Küsten Maltas und den Drachenhäusern von Euböa über die Pyramiden in Ägypten und Zentralamerika bis hin zu den europäischen Heiligtümern der Steinzeit sowie den Megalithen in der Schweiz und Deutschland stellt der Däniken-Schüler einen globalen Kontext zwischen seinen Expeditionen her. Langfristig strebt Zürcher die Schaffung eines interdisziplinären Paläo-SETI-Lehrstuhls an. Von diesem Mann dürften in Zukunft interessante Impulse zu erwarten sein.
Ob das vorliegende Werk tatsächlich das „allerletzte Buch“ von EvD und damit der „krönende Abschluss eines Lebenswerkes“ sein wird, ist angesichts des ungebrochenen Forschergeistes des Autors eigentlich kaum vorstellbar.
sb
Kühe retten den Planeten
Judith D. Schwartz
Kopp Verlag
288 Seiten
ISBN: 978-3-98992075-0
€ 20,–
Kühe als Klimaretter? Sind die methanpupsenden Wiederkäuer nicht eher Teil des Problems? Nicht zwingend, meint Judith Schwartz. Als klug eingesetzte Landschaftspfleger vermögen sie etwas zu heilen, das viel zu lange vernachlässigt wurde: den Boden. Der, so die Autorin, ist nicht weniger als der Schlüssel zur Lösung gleich mehrerer globaler Krisen – von der Verwüstung urbarer Flächen über den Klimawandel bis hin zum Artensterben und der Degeneration unserer Nahrungsmittel. Um zu zeigen, wie und warum gesunde Böden zu einem intakten Ökosystem führen, bedient sie sich an Erkenntnissen aus Land- und Agrarwissenschaft, Ökologie und Klimaforschung – und übt eine gute Portion Sozialkritik. Schließlich ist ein Großteil des miserablen Status quo hausgemacht.
Während sich internationale Bemühungen zur Rettung des Planeten zumeist auf CO2-Emmissionen fokussieren, zeichnet Schwartz ein größeres Bild. Sie erläutert, wie Kohlenstoff in der Natur zirkuliert, und leitet daraus ab, was Mensch tun kann, um das CO2aus der Atmosphäre zu holen und in das größte Kohlenstoffreservoir zu binden, das es gibt: gesunden, humusreichen Boden eben, der bis zu dreimal mehr Kohlenstoff speichern kann als die Atmosphäre. Aber was hat nun die Kuh damit zu schaffen?
Sie haben sicher schon einmal von der Überweidung von Graslandschaften gehört: Das Weidevieh frisst alles weg, es bilden sich Brachen, auf denen nichts mehr wächst. Genauso gibt es eine Unterweidung: Der Bewuchs wuchert und verstraucht, das Bodensystem gerät ins Ungleichgewicht, Gestrüpp und Wüsten sind die Folge. Der rechte Weg liegt in der Mitte: Gesundes Grasland benötigt Tierbewegung – mit Phasen der Abgrasung und Phasen der Regeneration. Mit einem ganzheitlichen Weidemanagement werden Rinderherden zu lebenden Werkzeugen gegen Wüsten und Erosion.
Ihr Buch, 2013 erstmals auf Englisch erschienen, zeichnet die Reise der Journalistin nach, die sie über Jahre auf die Felder, in die Farmen, aber auch in die Universitäten und Forschungseinrichtungen US-Amerikas geführt hat, immer auf den Spuren von Machern und Visionären, Wissenschaftlern und Whistleblowern, die neue Ansätze verfolgen, um das alte, wertvolle Wissen um einen gesunden Boden in unsere Zeit zu übersetzen. Forward to the roots, sozusagen.
Teile der deutschen Buchübersetzung wurden mittlerweile allerdings von der Realität überholt: Schwartz’ These, holistisches Weidemanagement könne Methanemissionen durch Humusaufbau kompensieren, trifft heute auf komplexere Realitäten. Zwar bestätigen Studien, dass gesunde Böden signifikant CO2binden – doch der Zauber hat Grenzen. Zudem unterschätzt Schwartz die Kurzfristwirkung von Methan und vernachlässigt die Lachgasemissionen aus der Weidedüngung, die die Humusbilanz untergraben.
Das zeigt: Es existiert eine nahezu perfekte Theorie, die in der Praxis jedoch nur selten umzusetzen ist. Nichtsdestotrotz bleiben Schwartz’ Kernthesen relevant: Die EU-Bodenstrategie 2030 übernimmt regenerative Methoden als Förderkriterium, und selbst kritische Analysen bestätigen, dass Weidekohlenstoff länger im Boden verbleibt als Ackerhumus.
Schwartz argumentiert interdisziplinär, während sie gleichzeitig nie den Praktikern von der Seite weicht. Deren Methoden folgen nicht immer dem wissenschaftlichen Konsens, aber scheinen doch von Erfolg gekrönt zu sein – so etwa die Wüstenbegrünung mittels Weidenmanagement durch Allan Savory. Das macht ihr Buch anschaulich und auch für Laien gut verständlich, wenn auch der der Plauderton an manchen Stellen Vereinfachungen und Pauschalisierungen mit sich bringt. „Kühe retten den Planeten“ ist eben weder Fachbuch noch Follow-me-Report – aber eine inspirierende Synthese für Laien und Einsteiger in die Thematik.
Wer einen konstruktiven Blick auf die Klimakrise schätzt oder selbst regenerativ Gärtnern möchte, wird dem Buch etwas abgewinnen. Es mag kein Allheilrezept sein – aber ein wichtiger Denkanstoß.
rc
Anm. d. Hrsg.: Lesen Sie zum Thema auch den Zweiteiler des Rezensenten „Humus sapiens – die Intelligenz des Edaphons“ in NEXUS 106 & 107.
Rezensenten
ms – Michaela Schubert
cv – Christian Vogt
ph – Peter Hiess
rc – Renan Cengiz
sb – Sascha Bach
Kommentar schreiben